Der Wiener Stephansdom

 

Die Westfassade des Stephansdomes, der Stephansturm, von mittelalterlichen Fruchtbarkeitssymbolen, und was die Zahlen 05 bedeuten.  

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D 01  Stephansdom

Sie sehen nun die Westfassade des Stephansdoms.

Der Stephansdom ist das Wahrzeichen Wiens. Er dominiert das Altstadtpanorama, und markiert mit seinem 137 m hohen und schlanken Turm das Zentrum Wiens.

Generationen von Baumeistern haben an diesem Gebäude gearbeitet. So sind natürlich auch noch verschiedene Baustile erkennbar. Hier sehen Sie die Westfassade des Doms. Dies ist der älteste Teil, der romanische Teil und ca. 750 Jahre alt. Die Westfassade war früher Teil einer anderen Kirche an dieser Stelle. Die dahinterliegenden Teile wurden dann später im gotischen Stil dazugebaut. Auch Teile der Westfassade wurden verändert, wie zum Beispiel das hohe Fenster in der Mitte mit seiner filigranen gotischen Ornamentik.

In der Mitte der Fassade sehen Sie den heutige Haupteingang in den Dom, das Riesentor: Früher war dieser Eingang nur zu festlichen Anlässen geöffnet. Man betrat damals den Dom durch seitliche Nebeneingänge, und diese wiederum waren nach Männern und Frauen getrennt. Die Männer bertraten den Dom von der rechten Seite, die Frauen von der linken.

Am Riesentor sehen Sie, scheinbar wahllos angeordnet, Nischen mit romanischen Skulpturen.

Links und rechts ragen 2 Türme über die Fassade empor, -das sind die Heidentürme: Heidentürme hat man sie genannt, weil sie am spitzen Dach noch einen kranzförmigen Umgang haben. Die Wiener fühlten sich durch diese Umgänge an orientalische, an heidnische Minarette erinnert. So kam es zu diesem etwas seltsamen Namen an einer christlichen Kirche.

Im unteren Bereich der Fassade, an der linken und rechten Seite, sind noch alte Grabsteine zu sehen. Früher war mal rund um den Stephansdom ein Friedhof angelegt. Der ist aber natürlich längst aufgelassen worden. Diese Grabsteine erinnern aber noch daran.

Und noch ein paar interessante Details gibt’s zu sehen:
Ca. 2m neben dem Tor sehen Sie 2 Säulen. Etwa so hoch wie das Tor. Sie tragen 2 stilisierte kleine Skulpturen. Sehen Sie`s?
Etwa in Höhe des Blechdaches, unter der kleineren runden Wandnische.
Die linke soll ein stilisiertes männliches Geschlechtsorgan darstellen, die rechte das weibliche Gegenstück dazu. –mittelalterliche Fruchtbarkeitssymbole.

Und noch ein anderes Detail:
Das kann man allerdings nur erkennen, wenn man unmittelbar vor dem Riesentor steht.
An der linken Seite des Riesentors befinden sich 2 Eisenstangen. -Ca. in 1 m Höhe im Stein eingelassen. Das waren genormte Längenmaße im alten Wien. Die kürzere ist die Elle. Die längere der Doppelfuß.
Wenn Sie also 7 Ellen Tuch gekauft hatten, und sicher sein wollten, dass der Kaufmann Sie auch nicht übers Ohr gehauen hatte, dann konnten Sie hierherkommen und die 7 Ellen nachmessen.

Ja, und was anderes gibt’s auch noch:
Und zwar an der anderen Seite des Tors, an der Fassade, unter den alten Grabsteinen.
Dort werden Sie die Zahlen 05 in den Stein geritzt finden. Das war ein Kürzel des österreichischen Widerstands im 2. Weltkrieg. -0 Steht für O. Und 5 für E –den 5. Buchstaben im Alphabet. Also 05 oder OE als Kürzel für Österreich. Der Name Österreich war ja im 3. Reich verboten, -Ostmark hieß das damals.

Wenn man dann von dort aus an den Grabsteinen vorbeigeht, an die rechte Seite der Fassade, dann öffnet sich einem der Blick auf den imposanten Südturm, den Stephansturm: Der Stephansturm ist 137 m hoch. Er wurde im 13. Und 14. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. Ja, 200 Jahre dauerten die Bauarbeiten damals. Eigentlich unvorstellbar heutzutage.

Er hat einen quadratischen Grundriss, der dann aber in ein Achteck übergeht. Nach obenhin verjüngt er sich kontinuierlich. In der Leichtigkeit seiner Konstruktion ist er das repräsentativste Bauwerk Österreichs und das Wahrzeichen von Wien. –Ein Meisterwerk der Spätgotik. Die Wiener gaben dem Turm auch einen Kosenamen, -den „Steffl“ nennen Sie ihn.

Vor dem Turm befindet sich ein niedriger Vorbau, die Sakristei. Neben der Sakristei werden  Sie einen Nebeneingang in den Dom finden.

An dieser Seite, der Südseite, befand sich der Eingang für die Männer. Die Frauen hatten an der gegenüberliegenden Seite ihren eigenen Eingang.

Übrigens, wenn Sie bei guter Kondition sind, dann können Sie auch auf den Stephansturm hinaufsteigen. Der Eingang zum Turm befindet sich in einem kleinen Häuschen hinter dem Turm.

Von dort oben hat man natürlich einen wundervollen Überblick über die ganze Stadt. So diente der Stephansturm während der 2. Türkenbelagerung als militärischer Beobachtungsplatz. Von dort oben konnte man natürlich die Truppenbewegungen der türkischen Belagerer vor der Stadtmauer recht gut erkennen.

Später war dann da oben die Feuerwache für Wien untergebracht.

Im 2. Weltkrieg wurde der Dom beschädigt, allerdings nicht von der angreifenden Roten Armee, sondern von den Verteidigern selbst. Das Dach ist völlig abgebrannt. Der hölzerne Dachstuhl wurde durch eine moderne Stahlkonstruktion ersetzt.

Wenn es Sie interessiert, am hellen Haus, dem Stephansturm gegenüber, befindet sich eine Schautafel. Dort können Sie Fotos von der Zerstörung sehen.

 

Hier finden Sie weiterführende Informationen über den Stephansdom Wien