Die Pestsäule am Graben

 

Ein Denkmal an die Pest, und warum der Graben Graben heißt

 

04 Pestsäule, Graben:

Wir befinden uns jetzt im Zentrum des Platzes, am Graben. Sie sehen eine hohe, aus der Barockzeit stammende Säule. Das ist die Pestsäule.

Wien wurde mehrmals von verheerenden Pestepedemien heimgesucht. Der damalige Kaiser Leopold hatte gelobt, daß wenn diese schreckliche Seuche, die die Menschen wie Fliegen sterben ließ, wenn diese Pest Wien verlassen würde, dann wird er ein Denkmal stiften. Und so ist dann diese Säule in Auftrag gegeben worden.

Im oberen Bereich, am ausgebeulten Schaft sehen Sie figürliche Darstellungen und viele kleine Engelsköpfe- Putten.

Stehen Sie auch genau auf dem im Plan eingezeichneten Standpunkt, auf der etwas breiteren Platzseite? Dann werden Sie am Sockel der Säule, -hinter der Balustrade, eine Skulpturengruppe sehen. Hier ist dargestellt: Der Glaube besiegt die Pest.
Eine alte Frau, sie symbolisiert die Pest, wird von einem Engelchen in die Tiefe gestoßen. Daneben steht eine junge Frau mit einem Kreuz, dem Symbol des Glaubens, in der Hand. Hoffnungsvoll blickt sie in die Zukunft. Die Pest ist besiegt!

Und darüber sehen Sie den betenden Kaiser Leopold. Neben ihm seine vergoldete Krone. Ja, wenn man zu Gott betet, dann nimmt auch ein Kaiser seine Krone ab.

Zu Zeiten des Barock wurden viele solcher Säulen gebaut. Ähnliche Säulen finden sich so auch in vielen anderen, kleineren Städten Österreichs.

Gut, -soviel mal zur Pestsäule, -und jetzt noch ein paar Worte zum Platz.
Eigentlich  stehen Sie jetzt hier auf einem zugeschütteten Loch.

Die Römer hatten zur Befestigung Ihres Lagers einen Wall aufgeschüttet. Hier hatten Sie das Material für diesen Wall ausgegraben. Deswegen heißt dieser Platz auch Graben. Die südseitige Befestigung des alten Römerlagers ist ungefähr ident mit der Ihnen gegenüberliegenden Platzseite. Um 1200 hat man dieses Loch, den Graben dann zugeschüttet und die Stadt erweitert.

Finanziert wurden diese Baumaßnahmen auch vom immensen Lösegeld das man damals für die Freilassung des englischen Königs Richard Löwenherz erhalten hatte. Man hatte ihn, als er von den Kreuzzügen nach England zurückkehren wollte, hier in der Nähe von Wien rechtswidrig gefangengenommen.

Im 17. Jahrhundert befand sich dann hier der Mehl- und Gemüsemarkt Wiens.

Heute ist der Graben gesäumt von eleganten, und frisch renovierten Palais und eine beliebte Fußgeherzone Wiens.